Aktionärs–
brief


Dr. Kuno Sommer
Präsident des Verwaltungsrates
Thomas Meier
CEO und Vorsitzender der Konzernleitung

Sehr geehrte Aktionärinnen, sehr geehrte Aktionäre

Für viele Menschen und Unternehmen weltweit war im vergangenen Geschäftsjahr die grösste Herausforderung die COVID-19 Pandemie mit ihren zum Teil einschneidenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen; und sie ist es heute noch. Bei Bachem haben wir uns an allen Standorten sehr schnell auf die aktuelle Lage eingestellt, Schutzmassnahmen eingeführt und die betrieblichen Abläufe angepasst und optimiert. So konnten wir die systemrelevante Versorgung mit Wirkstoffen nicht nur sicherstellen, sondern in den kritischen Bereichen sogar steigern. Unsere Belegschaft kann zu Recht stolz auf die geleistete Arbeit sein.

Insgesamt gesehen war das Jahr 2020 für Bachem ein exzellentes Jahr. Trotz der grossen Herausforderungen haben wir in einem sehr anspruchsvollen Marktumfeld weitere bedeutende Fortschritte erzielt. Unser Wachstum ist produktbezogen und geographisch breit abgestützt. Erfolgreiche Produkteinführungen sorgten für rege Nachfrage, und wir konnten dank unserer langfristig geplanten Investitionen in moderne Produktionsanlagen grosse Skaleneffekte bei der Herstellung von Peptiden erreichen. Ebenso haben wir die Digitalisierung von Geschäfts- und Herstellungsprozessen deutlich vorangetrieben und damit nicht nur die Qualität unserer Arbeit, sondern auch unsere Profitabilität verbessert. Mit dem konsequenten Einstieg in die Entwicklung und Produktion von Small Interfering RNA (siRNA) und Antisense-Oligonucleotides (ASO) haben wir unsere Produktpalette erweitert. Die Herstellung nach GMP Bedingungen konnte schon im ersten Jahr erreicht werden, und die Geschäftsentwicklung in dieser Produktsparte verläuft weiterhin besser als erwartet. Wir freuen uns auch, dass wir im vergangenen Jahr 272 neue hervorragende Kolleginnen und Kollegen für Bachem gewonnen haben.

Die angekündigten Investitionen laufen nach Plan, und wir gehen aus heutiger Sicht von einem weltweiten Investitionsvolumen von über 400 Mio. CHF in den kommenden 5 Jahren aus. Neue Produktionskapazitäten werden aufgebaut und neue Arbeitsplätze an allen unseren Standorten geschaffen.

Bachem konnte im vergangenen Jahr die Konzernverkäufe erstmals auf über 400 Mio. CHF steigern. Das war ein Plus von 28.1% auf 402.0 Mio. CHF. Die hohe Wertschöpfung und Innovationskraft zeigen sich auch im Betriebsergebnis, die EBITDA-Marge stieg von 27.8% auf 30.5%. Der Betriebsgewinn erhöhte sich noch einmal deutlich um 55.0% auf 96.7 Mio. CHF. Die EBIT-Marge stieg damit von 19.9% auf 24.0%. Aufgrund der starken Geschäftsentwicklung schlagen wir Ihnen an der Generalversammlung vom 28. April 2021 eine Erhöhung der Dividende von 3.00 CHF auf 3.25 CHF pro Aktie vor.

Die weiterhin starke Nachfrage nach unseren Produkten und Innovationen im Geschäft mit Peptiden sowie die erfolgreiche Entwicklung unseres Geschäfts mit Oligonukleotiden machen uns zuversichtlich, dass Bachem den eingeschlagenen profitablen Wachstumskurs fortsetzen wird. Unser Ziel ist es, basierend auf Innovation und Qualität unsere Marktführerschaft im Peptidbereich weiter auszubauen und auch bei den Oligonukleotiden eine Führungsrolle einzunehmen.

Wir danken unseren Partnern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und vor allem unseren konzernweit mittlerweile 1 529 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren unermüdlichen und grossartigen Einsatz. Und wir danken Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen und Ihre Verbundenheit mit unserem Unternehmen.

Kennzahlen

  • > Tabelle
  • > Balkendiagramm
UMSATZ
(IN MIO. CHF)
EBIT
(IN MIO. CHF)
REINGEWINN REIN–
GEWINN
(IN MIO. CHF)
2018
282.5
2019
313.7
2020
402.0
2018
2019
2020
2018
54.8
2019
62.4
2020
96.7
2018
2019
2020
2018
46.6
2019
54.2
2020
78.1
2018
2019
2020
Veränderungen in %
 
2020
2019
CHF
LW
UMSATZ (IN MIO. CHF)
402.0
313.7
+28.1
+34.0
EBITDA (IN MIO. CHF)
122.6
87.2
+40.5
+55.3
EBITDA IN % DES UMSATZES
30.5
27.8
 
 
EBIT (IN MIO. CHF)
96.7
62.4
+55.0
+75.3
EBIT IN % DES UMSATZES
24.0
19.9
 
 
REINGEWINN (IN MIO. CHF)
78.1
54.2
+44.1
 
REINGEWINN IN % DES UMSATZES
19.4
17.3
 
 
GEWINN PRO AKTIE (EPS – IN CHF)
5.58
3.91
+42.5
 
GELDFLUSS AUS GESCHÄFTSTÄTIGKEIT (IN MIO. CHF)
115.0
64.3
+79.0
 
EIGENKAPITALRENDITE (IN %)
16.9
13.0
 
 
PERSONALBESTAND (UMGERECHNET AUF VOLLZEITSTELLEN)
1 475
1 209
 
 
UMSATZ PRO MITARBEITER 1 (IN CHF)
309 000
282 000
 
 
1  
Basis: mittlere Anzahl Vollzeitstellen ohne Lernende

PROGRESS
REPORTS

Switzerland Flag

SYSTEMRELEVANTE
VERSORGUNG

Beide Schweizer Standorte in Bubendorf und Vionnaz erzielten über das gesamte Jahr hinweg eine herausragende Leistung sowie eine signifikante Steigerung der Auslastung und Produktion. Die beeindruckenden Kapazitäts- und Technologieinvestitionen unterstreichen das Engagement von Bachem für weiteres Wachstum. Dabei bilden Flexibilität, Effizienz und professionelle Einstellung der hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das duale Bildungssystem der Schweiz das Fundament des Erfolgs. Trotz der pandemiebedingten Unsicherheiten und Herausforderungen setzen die Schweizer Standorte neue Standards in Bezug auf die effiziente Entwicklung und Produktion hochkomplexer Peptide, einschliesslich der neuen Molecular Hiving-Technologie, neuer Oligonukleotiden und der Grossproduktion von ausgewählten «Small Molecules».

US Flag

REKORDHOHE PRODUKTION

Im Jahr 2020 erzielten die beiden US-amerikanischen Standorte Torrance und Vista dank zusätzlicher Kapazitäten und erhöhter Automatisation eine markante Produktionssteigerung. Verschiedene Operational- Excellence-Initiativen zur Optimierung der Produktionsplanung und Ressourcennutzung unterstützten diese Leistungsverbesserung. Zudem baute Bachem Americas das Produktportfolio weiter aus und sicherte sich dadurch neue Wachstumschancen. Das Portfolio beinhaltet mehrere Produkte, die heute als therapeutische Prüfpräparate bei der Bekämpfung von COVID-19 genutzt werden. An beiden Standorten wurden weitere Investitionen eingeleitet, um noch bestehende Engpässe zu beseitigen sowie die Automatisierung und die Produktionskapazitäten für das Jahr 2021 weiter zu erhöhen.

UK Flag

KUNDENBEGLEITUNG DURCH DIE COVID-19 PANDEMIE

Die COVID-19-Pandemie stellte Bachem UK 2020 vor grosse Herausforderungen. Dank der Flexibilität und des grossen Engagements des Teams blieb der Standort das ganze Jahr über in Betrieb. Dadurch konnte der Kundenbedarf an Forschungschemikalien, einschliesslich von ca. 100 Peptiden für die Bekämpfung von COVID-19, zu jeder Zeit gedeckt werden. Der anhaltende Fokus auf eine schlanke Produktion ermöglichte dabei Effizienzsteigerungen, die bei solchen zeitkritischen Projekten mit starkem Vermarktungspotenzial gefordert sind. Im In-vitro-Diagnostik-(IVD)-Sektor profitierten die Kunden zusätzlich von der erfolgreichen ISO13485 Re-Zertifizierung und dem erweiterten Dienstleistungsangebot. Zudem sicherten neue Büroräumlichkeiten die Einhaltung der Social-Distancing- Vorgaben zum Schutz der Mitarbeitenden, und anhaltende Investitionen in die Produktionsanlagen förderten schnelle und effiziente Herstellverfahren.

Japan Flag

AUSWEITUNG DES ASIATISCHEN MARKTES

Trotz zahlreicher Herausforderungen schaffte es das Bachem Japan Team, seine Kunden weiterhin mit Engagement zu bedienen und auf dem asiatischen Markt weiter zu wachsen. Die positiven Effekte der Eröffnung des Standorts in Tokyo im April 2018 sind nun spürbar. Die NCE-Pipeline entwickelt sich gut, ebenso das Geschäft mit Generika in Japan, Südkorea, Taiwan und China. Bachem erwartet daher, dass dieses Wachstum in den nächsten Jahren anhält. Auch im regulatorischen Bereich wurden Fortschritte erzielt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen in einigen asiatischen Ländern erzielte Bachem wichtige Erfolge bei einigen Zulassungen. Angesichts dieser erfreulichen Entwicklungen im Jahr 2020 blickt Bachem in Asien positiv in die Zukunft.

Milestones Review

MIT STÄRKE UND ZUVERLÄSSIGKEIT AUF WACHSTUMSKURS

VERSORGUNGSRELEVANZ IN DER PANDEMIE

In einem durch die COVID-19 Pandemie geprägten Geschäftsjahr 2020 bewies Bachem erneut ihre Stärke und Zuverlässigkeit. Alle Produktionsbereiche arbeiteten mit Hochdruck daran, auch unter erschwerten Bedingungen die dringend benötigten Wirkstoffe herzustellen und an die Kunden zu liefern. Im Schichtbetrieb mit persönlichen Einschränkungen im Privatbereich und sehr grossem Einsatz leisteten alle Beteiligten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit lebenswichtigen Medikamenten. Ermöglicht wurden diese Leistungen auch durch ein gut organisiertes Supply Chain Management, das für Planung, Materialbeschaffung und Distribution verantwortlich zeichnete. Ebenfalls ohne Unterbruch wurden die Arbeiten auf den für die Kapazitätserweiterungen notwendigen Baustellen vorangetrieben. Zudem trugen über 300 Mitarbeitende im Home-Office dazu bei, mögliche Infektionen im Produktionsbereich und damit potenzielle Betriebsunterbrüche und Lieferausfälle zu vermeiden. Mit grossem Einsatz aller Mitarbeitenden und unter Einhaltung strikter Schutzmassnahmen konnte die Gruppe ihre Verantwortung als versorgungsrelevantes Unternehmen vollumfänglich wahrnehmen. Als «Leading Partner in Tides» bestätigte Bachem ihre marktführende Position und baute diese in einem äusserst anspruchsvollen Umfeld weiter deutlich aus. Mit exzellenten Ergebnissen hielt das Unternehmen an seinem Wachstumskurs fest.

OLIGONUKLEOTIDE AUF ERFOLGSKURS

Bachem startete 2020 die geplante Erweiterung des Portfolios auf Small Interfering RNA (siRNA) und Antisense-Oligonucleotides (ASO) erfolgreich. Die ersten Anlagen für den kleinen und mittleren Herstellmassstab wurden installiert, qualifiziert und in Betrieb genommen. Neben non-GMP Mengen stellte Bachem auch eine erste GMP-Charge für eine klinische Studie erfolgreich her. Mit einem wachsenden Projektportfolio, hochmotivierten Spezialisten und den 2021 in Betrieb gehenden Anlagen für die Produktion im kommerziellen Massstab befindet sich Bachem auf Erfolgs- und Wachstumskurs.

NORDAMERIKA MIT NEUER BESTMARKE

In Nordamerika legten die Verkäufe 2020 nach einem Wachstum von rund 30% im Vorjahr erneut stark zu. In lokalen Währungen wurde das Vorjahresresultat um 48.9% übertroffen. Auch unter Berücksichtigung des stark negativen Einflusses der Wechselkursentwicklung USD/CHF wies die Region in der Berichtswährung eine Steigerung von rund 40% aus. Diese erfreuliche Entwicklung unterstreicht die zunehmende Bedeutung des USMarktes auf die Unternehmensresultate. Mit einer Steigerung der Verkäufe um rund 62 Mio. CHF und einem Jahresumsatz von 217 Mio. CHF setzte die Region Nordamerika eine neue Bestmarke in der Unternehmensgeschichte. Hauptgrund für diese exzellenten Verkaufszahlen war die erneut sehr gute Entwicklung wichtiger NCE- und Generika-Projekte. Bei verschiedenen Projekten konnte Bachem eine Einreichung oder Zulassung erfolgreich unterstützen, für andere Projekte wird die Zulassung in naher Zukunft erwartet. Neue innovative Darreichungsformen, wie zum Beispiel orale oder nasale Anwendungen bestehender Generika, unterstützen die ungebrochen hohe Nachfrage nach peptidbasierten pharmazeutischen Wirkstoffen. Parallel dazu steigerte Bachem auch den Umsatz mit bestehenden Produkten, die aufgrund von Markterweiterungen, demografischer Entwicklungen oder als unmittelbare Auswirkung der COVID-19 Pandemie stärker nachgefragt wurden.

MILESTONES OUTLOOK

ALS LEADING PARTNER IN TIDES DYNAMISCH IN DIE ZUKUNFT

Die weiterhin starke Nachfrage nach unseren Produkten und Innovationen im Geschäft mit Peptiden sowie die erfolgreiche Entwicklung unseres Geschäfts mit Oligonukleotiden machen uns zuversichtlich, dass Bachem den eingeschlagenen profitablen Wachstumskurs fortsetzen wird. Unser Ziel ist es, basierend auf Innovation und Qualität unsere Marktführerschaft im Peptidbereich weiter auszubauen und auch bei den Oligonukleotiden eine Führungsrolle einzunehmen.

PEP-TIDES

Die Wachstumsdynamik im etablierten Peptidgeschäft nimmt getrieben von der Marktzulassung neuer Wirksstoffe und Darreichungsformen sowie dem breit abgestützten Projektportfolio weiter zu. Als marktführendes Unternehmen partizipiert Bachem stark an diesem Wachstum und bietet sich zudem als zuverlässiger Partner für Outsourcing-Projekte an.

OLIGONUKLEO-TIDES

Mit dem konsequenten Einstieg in die Entwicklung und Produktion von Small Interfering RNA (siRNA) und Antisense-Oligonucleotides (ASO) hat Bachem die Produktpalette erweitert. Die Herstellung nach GMP-Bedingungen konnte schon im ersten Jahr erreicht werden, und die Geschäftsentwicklung in dieser Produktsparte verläuft weiterhin besser als erwartet. Mittelfristig strebt Bachem im Geschäft mit Oligonukleotiden einen Jahresumsatz von über 100 Mio. CHF an und damit eine führende Marktposition unter den Oligonukleotid-Auftragsentwicklern und -Herstellern (CDMOs).

AUSBLICK

Bachem strebt im Jahr 2022 Verkäufe von über 500 Mio. CHF an. Für den Gewinn wird ein prozentuales Wachstum angestrebt, das über dem der Verkäufe liegt. Um ein beständiges und profitables Wachstum der Gruppe zu ermöglichen, plant das Unternehmen in den kommenden 5 Jahren ein weltweites Investitionsvolumen von über 400 Mio. CHF.

Unsere Lehrlinge sind hochmotiviert

LEHRLINGS­AUSBILDUNG
MIT ZUKUNFT

Bachem engagiert sich in verschiedenen Lehrberufen der Berufsbildung. Auch 2020 haben am Hauptstandort in Bubendorf zwölf neue Lernende in den Berufen Laborant/-in EFZ, Kaufmann/-frau EFZ, Informatiker/-in EFZ und Logistiker/-in EFZ ihre Ausbildung begonnen.

Seit der Gründung des Unternehmens hat Bachem die Lehrlingsausbildung unterstützt und gefördert. Der erste Lernende, der im Jahr 1979 seine Ausbildung zum Laboranten EFZ Chemie abgeschlossen hat, feiert 2021 sein 45. Dienstjubiläum. Er ist heute einer der beiden Ausbilder im betriebseigenen Lehrlabor. Seit seinem erfolgreichen Abschluss sind bei Bachem Bubendorf und Vionnaz mehr als 300 junge Frauen und Männer in den Lehrberufen Chemie-Pharma-Technologe, Laborant/-in Chemie, IT, Kauffrau, Kaufmann, Logistiker und Polymechaniker ausgebildet worden.

Dieses Engagement basiert auf starken Grundwerten. Das Unternehmen handelt zum Wohl der Gesellschaft, indem es ausgebildete Fachpersonen auf den Arbeitsmarkt begleitet. Als Ausbildungsbetrieb fördert und fordert Bachem die Belegschaft und bringt verschiedene Generationen im Arbeitsprozess zusammen. Die Inklusion der Auszubildenden in den Betrieb, wo sie in den Linienpraktika anspruchsvolle Aufgaben erledigen, stellt eine grosse Bereicherung für alle dar, fördert die Diversität und ist ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur.

Am Standort Bubendorf betreibt Bachem ein hauseigenes Lehrlabor mit zwei vollamtlichen Ausbildern. Die Lernenden im Lehrberuf Laborant/-in Chemie besuchen lediglich die Berufsfachschule ausser Haus. Alle anderen Kurse finden im Klassenverband im Lehrlabor statt, in enger Nachbarschaft zu den produzierenden Organisationen, wo die Linienpraktika absolviert werden. Durch die Nähe zum Betrieb und zahlreiche soziale Anlässe sowie durch den Zusammenhalt in der Klasse wächst das Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl.

Bachem blickt mit Stolz auf 45 erfolgreiche Jahre Berufsbildung zurück – erfolgreich in der Ausbildung und der Anstellung der ausgebildeten Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger.

Ein Grossteil der Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger bleiben nach dem Abschluss ihrer Lehre bei Bachem und entwickeln sich dort weiter. Auch nach externen Fortbildungen wie Fachspezialisierung, höhere Fachschule, Fachhochschulstudien und Universitätsabschlüssen inklusive Dissertation kehren viele ehemalige Lehrlinge wieder zu Bachem zurück. Nach ersten erfolgreichen Jahren im Beruf engagieren sich viele ehemalige Lernende selber in der Berufsbildung. Sie begleiten als Linienverantwortliche die Lernenden während ihrer Ausbildungszeit und bilden das Rückgrat der Aus- bildung im Betrieb.

Zu Beginn der Berufsausbildung bei Bachem stand ausschliesslich die Ausbildung der Laboranten-Berufe im Zentrum. Über die Jahre hinweg verbreiterte und erweiterte sich das Ausbildungsspektrum. Diese Entwicklung verfolgt Bachem mit voller Überzeugung weiter. Für das Unternehmen ist die Ausbildung im eigenen Betrieb ein zentrales Instrument, um die stetig wachsende, grosse Nachfrage nach Fachkräften zu decken. In der Lehrlingsausbildung kann Bachem wichtige fachliche und kulturelle Akzente setzen und zugleich die Inhalte flexibel an den zukünftigen Anforderungen ausrichten.

Peptide &
Oligonukleotide

WAS SIND PEPTIDE?

Peptide sind Ketten von zwei bis zirka hundert Aminosäuren. Längere Ketten werden als Proteine (Eiweissstoffe) bezeichnet und kommen in allen Lebewesen vor. Ursprünglich aus biologischen Quellen isoliert, werden sie heute auf chemischem Weg synthetisiert. Die biologischen Eigenschaften von Peptiden hängen von der Anzahl der Aminosäuren und von ihrer Position in der Kette ab. Mit lediglich zwanzig natürlichen Aminosäuren ist eine unvorstellbar grosse Zahl von Peptiden möglich, jedes mit anderen physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften.

WO FINDEN PEPTIDE ANWENDUNG?

Peptide werden vor allem als hochaktive und spezifische Wirkstoffe in Medikamenten verwendet. Der Vielfalt ihrer biologischen Funktionen entsprechend werden sie in den verschiedensten Anwendungsgebieten eingesetzt. Krebstherapien, Diabetes und Fettleibigkeit sind drei prominente pharmazeutische Gebiete. Generell sind Peptide gefragte Wirkstoffe zur Behandlung kardiovaskulärer und neurodegenerativer Krankheiten, bei Niereninsuffizienz, als Antibiotika, in Vakzinen und in Arzneimitteln für seltene Krankheiten.

WELCHE DARREICHUNGSFORMEN GIBT ES?

Mit den ersten oralen Darreichungen, beispielsweise für Diabetes, eröffneten sich den Peptiden in den letzten Jahren neue Anwendungsmöglichkeiten mit höchstem Patientenkomfort. Dabei wird die Struktur der Peptide und die Formulierung im Medikament gezielt optimiert, um die natürliche Verdauung der Wirkstoffe im menschlichen Körper zu umgehen. Traditionell werden Peptidwirkstoffe meist parenteral verabreicht. Neben der herkömmlichen Injektion kommen vermehrt Depotformulierungen mit einer Wirkungsdauer von Tagen bis mehreren Monaten, aber auch Nasalapplikationen zum Einsatz.

KREBSTHERAPIEN

Peptide werden in der Onkologie zur Bildgebung und in der Therapie eingesetzt.

KOSMETIKA

Peptide wirken in hochwertigen kosmetischen Produkten, beispielsweise gegen altersbedingte Falten.

NAHRUNGSMITTEL

Der Süssstoff Aspartam ist ein Dipeptid mit im Vergleich zu Haushaltszucker zweihundertfacher Süsskraft.

WAS SIND OLIGONUKLEOTIDE?

Höhere Lebewesen speichern ihre Erbinformation in den Genen in Form von langen Desoxyribonukleinsäure- (DNA)-Ketten. Diese Information wird mit Hilfe kürzerer Ribonukleinsäure-(RNA)-Ketten wie beispielsweise mRNA in Proteine übersetzt. DNA und RNA bestehen jeweils nur aus vier verschiedenen Bausteinen. Sie kodieren die Information durch die Anzahl und Reihenfolge der Monomere. Kurze Oligonukleotide sind aus bis zu etwa hundert Nukleotiden aufgebaut und werden industriell mit chemischer Synthese hergestellt.

WELCHE TYPEN VON OLIGONUKLEOTIDEN WERDEN ALS THERAPEUTIKA EINGESETZT?

Einzelsträngige Antisense Oligonukleotide binden reversibel an mRNA und unterbinden dadurch die Übersetzung in Proteine. Die RNA-Interferenz ist die Grundlage für die neue Wirkstoffklasse der sogenannten siRNA. Diese doppelsträngigen Moleküle nutzen einen natürlichen Mechanismus zum Abbau von mRNA und verhindern dadurch ebenfalls die Proteinsynthese. Im Gegensatz dazu kann durch die Verabreichung von mRNA ein Protein gezielt im Körper selbst hergestellt werden. Längere mRNA-Sequenzen zur Anwendung in Impfstoffen werden mit molekularbiologischen Methoden produziert.

WIE UNTERSCHEIDEN SICH OLIGONUKLEOTIDE VON ANDEREN WIRKSTOFFEN?

Antisense Oligonukleotide und siRNA modifizieren die abgelesene genetische Information auf RNA-Ebene, bevor diese in Proteine übersetzt wird. Sie verändern das Erbgut nicht und sind somit keine Gentherapien. Klassische Arzneien und Antikörper greifen erst auf der Proteinebene an. Die auf der RNAInterferenz basierenden siRNA können Dosierungsintervalle von sechs Monaten erreichen und haben damit enormes Potenzial zur Behandlung von Volkskrankheiten wie erhöhten Cholesterinwerten.

GENTESTS

Oligonukleotide ermöglichen Gentests zur Klärung von Verwandtschaft, Diagnostik oder Forensik.

THERAPIE VON GENDEFEKTEN

Oligonukleotide erlauben die Behandlung von Duchenne-Muskeldystrophie durch Überspringen einer fehlerhaften Sequenz in der mRNA Vorstufe.

STOFFWECHSELERKRANKUNGEN

Oligonukleotide wirken gegen Herz- Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten mit erhöhten Blutwerten.

Das 360°–Geschäftsmodell
der Bachem

Forschung

Bachem hat das weltweit grösste Angebot an Aminosäurederivaten, die von Peptidherstellern verwendet werden. Darüber hinaus bietet das Unternehmen auch Trägerstoffe für die Festphasenpeptidsynthese an. Bioaktive Peptide, Enzymsubstrate und Inhibitoren sowie einige organische Moleküle sind weitere wesentliche Produktlinien. Regelmässig kommen neue, innovative Produkte hinzu. Auf Qualität legt Bachem grossen Wert.

Präklinische
Entwicklung

In der präklinischen Entwicklung erfordern die Suche und die Optimierung von Leitstrukturen eine Vielzahl von Peptiden. Diese werden als individuell synthetisierte Moleküle für Kunden in aller Welt hergestellt. Ein regelmässiger Austausch mit Bachem Experten ermöglicht den Kunden die weitere Verfeinerung von Wirkstoff kandidaten. Gut funktionierende Partner schaften sind von grosser Bedeutung, um wegweisende Konzepte zu erarbeiten und Moleküle in die klinische Entwicklung zu bringen.

Klinische
Entwicklung

Wenn Kunden ihre Leitsubstanz ausgewählt haben, beginnen sie mit klinischen Studien. Bis zur Zulassung eines neuen Wirkstoffs vergehen viele Jahre. In dieser Zeit ist eine enge Zusammenarbeit entscheidend, um mehr über den Produktkandidaten zu erfahren. Jeder Produktionsschritt wird geprüft und die Reproduzier barkeit der Herstellung angestrebt. Ziel sind der Scaleup, eine umfassende Kontrolle und schliesslich die Validierung des Prozesses.

Peptid-
Arzneimittel

Die Verantwortung für die Bereitstellung ausreichender Wirkstoffmengen obliegt dem Hersteller. Von ihm sind absolute Zuverlässigkeit und sorgfältige Koordina tion mit allen beteiligten Partnern gefordert. Er hat zudem zu gewährleisten, dass der Erfüllung der Kundenbedürfnisse stets höchste Priorität zukommt, auch wenn eine Vorhersage der gebrauchten Mengen –insbesondere bei neuen Arzneimitteln, die sich noch nicht auf dem Markt bewährt haben – extrem schwierig ist.